© Michaela Ebner | 2021
Aus dem Leben,  Kochen & Backen

Ribiselsaft

Als wir vor 4 Jahren in unser Haus gezogen sind, habe ich entlang unseres Zauns eine „Nasch-Meile“ gepflanzt – Brombeeren, Himbeeren, Ribisel und Stachelbeeren. Im Hochbeet genießen auf ca. 2m2 die Erdbeeren die Sonne. Heuer gedeiht es wie wahnsinnig – auch das Unkraut. Manchmal kommt es mir vor, ich habe mehr Unkraut als Blumen oder Gemüse. Oder es fällt mir nur mehr auf, da ich dank Corona und Kurzarbeit mehr Zeit für meinen Garten habe!?

Heuer möchte ich die Ribisel mal wieder verarbeiten – die zwei Stauden tragen richtig viele Beeren. Mein Herz hüpft, denn dann kann ich richtig viel Sirup machen. Für mich etwas ganz Besonderes, wir brauchen dann keinen Saft kaufen. Manchmal nehme ich ihn als Gastgeschenk mit bzw. versorge den Rest meiner Familie damit. Mein Töchterlein besteht auch auf selbstgemachten Sirup. Sie zieht ihn dem gekauften vor – macht mich richtig stolz.

Mein fleißiges Helferlein ist im Garten immer an meiner Seite.

Nach einer guten Woche Warten sind alle Ribisel reif und es geht ans Klauben. Mein Zwerg – wie immer an meiner Seite –  ist auch mit einem kleinen Eimer bewaffnet. Los geht’s! Ich pflücke in den Kübel und mein Töchterlein schaufelt in den Mund. So geht’s auch.

„Mama, die schmecken gut! Wir brauchen sowieso nicht alle für den Saft!“ Gottseidank ist der Hunger bald gestillt und der Rest bleibt mir für die Saftproduktion. Nach 1 Stunde ist ein 10-Liter-Eimer gefüllt.

Abends geht es dann an den Herd. Den uralten Dampfentsafter von meiner Oma habe ich mittlerweile durch einen neuen ersetzt. Wasser und Früchte rein in den Topf. Alles dampft vor sich hin. Ich habe auch noch 5kg Kirschen in der Gefriertruhe gefunden und schmeiß sie auch noch mit rein – gehören ja auch noch verbraucht. Dann wird es halt ein Ribisel-Kirsch-Saft. „Lecker!“, ruft mein Mäuschen um die Ecke. Nach 3 Stunden im Dampfbad, sind alle Früchte entsaftet und die Maische kommt auf den Kompost.

Der Dampfentsafter ist mittlerweile nicht mehr wegzudenken.
Der Inhalt muss schmecken, die Beschriftung diesmal ganz leger.

Das ganze nochmal mit Zucker aufkochen und heiß in Flaschen abfüllen. Zum Schluss noch etikettieren und ab in den Vorratsschrank zum Zitronenmelissen-Saft. Am nächsten Morgen wird der neue Vorrat von meiner Tochter begutachtet und für toll empfunden – gottseidank, sie ist ja meine schärfste Kritikerin.

„Mama, wenn wir zu Besuch gehen, kannst du ja die Zitronenmelisse mitnehmen, weil der Ribiselsaft is meiner – weil der is ja rot!“, erklärt mir mein Kind und ich nehme es schmunzelnd zur Kenntnis.