© Michaela Ebner | 2021
Aus dem Leben,  Nähen

Ich war shoppen…

Oh ja, ich war wieder shoppen – in den neuesten Frühjahrsfarben und Mustern. Nicht nur einmal, nicht zweimal – sondern dreimal! Ich war total im Rausch und habe meterweise neue Stoffe, Bündchen und Spitze gekauft. An der Kassa kam der Schock. „Sind ja nur ein paar Stoffe?“ Egal! Ich freue mich aufs Nähen. Zuhause angekommen , werden die Stoffe ausgepackt und erneut sorgfältig in die Stofflade gepackt. Mein Töchterlein ist mit Faszination dabei und schmiedet schon Ideen, was demnächst für sie im Kleiderkasten hängen wird. „Mama, du nähst nur für mich, oder? Ich will alles haben!“ War ja eigentlich so geplant.

Am Abend liege ich mit dem Handy und dieser allbekannten Ideen-App auf der Couch und klicke mich durch die Schnittmuster und Vorlagen. Ich dreh durch, so viele schöne Dinge! Was nähe ich nur zuerst? Fakt ist, mein Zwerglein braucht kurze Hosen für den Sommer. Leicht und v.a. bequem sollen sie sein. Das Schnittmuster wurde schnell gefunden. Am nächsten Tag habe ich mir die ganzen Schnittmuster ausgedruckt, geklebt und geschnitten. Mein Töchterlein ist wie immer mittendrin und bastelt sich selbst ihre Schnittmuster – wofür auch immer!

Ich finde, dass das Zuschneiden immer die meiste Zeit in Anspruch nimmt. Manchmal wünschte ich mir, ich könnte alles einfach schon zugeschnitten irgendwo kaufen. Dieser Teil des Nähens ist nicht so meins – muss aber leider sein. Und dann geht’s los!

© Michaela Ebner | 2021
Es sieht dann in meinem Arbeitszimmer wie auf einem Schlachtfeld aus!

Und ich hab zum ersten Mal den Mut, Sweater, Hoodies und Kleider in Angriff zu nehmen.

Die Nähmaschine rattert und rattert und ein Teil nach dem anderen nimmt Form an. Hoppala, die Zeit habe ich komplett übersehen. Ich hätte fast vergessen, mein Kind ins Bett zu bringen. Gottseidank war Freitag. Aber sie hat ganz brav neben mir am Boden Stoffreste zusammengebunden und mit Tixo verklebt. Tolle Kunstwerke sind entstanden. „Die darfst du ja nicht wegschmeißen!“, sagt mein Töchterlein und schaut mich mit großen, strengen Augen an. Würde ich nie tun! Oder leider doch. Mein Töchterlein hat ein Sammel-Gen! Jedes noch so kleine Schnipsel wird aufbewahrt, irgendwohin geklebt und mit ganz viel Liebe an mich verschenkt. Wisst ihr, wie viele Schnipsel innerhalb einer Woche zusammenkommen? Berge – ich schwöre.

Mein Zwerglein schafft es mittlerweile schon alleine.

Drei Nachtschichten später habe ich insgesamt 20 kurze Hosen, 3 Leggins, 7 Jogginghosen und eine Knickerbocker genäht. Natürlich nicht alles für mein Töchterlein – es gibt ja gottseidank genug Kinder, die auch eingekleidet werden müssen. Genau deshalb war ich dreimal im Stoffgeschäft, da mir zwischendrin das Material ausging.

Kurze Pumphose von Lybstes
(für mich ein bisschen abgeändert)
Schnittmuster Fehlanzeige – Versuch gelungen!

An solchen Tagen wünschte ich mir, der Tag hätte mehr als 24 Stunden. Müdigkeit – Fehlanzeige. Ich kann nicht wirklich nachvollziehen, warum genau an Putz- oder Waschtagen meine Energie sich in Grenzen hält. Man beachte den sarkastischen Unterton.

Es ist schon toll, wenn dann so ein Stapel neues Gewand in den Kasten eingeräumt werden kann.
Monsterparade (Schnittmuster: Felix Frechdachs)

Das beste kommt aber noch: Am Sonntag hat mein Zwerglein die neue Knickerbocker ausgeführt. Sie sah entzückend aus – die Hose und mein Töchterlein. Es ging zu Oma und Opa. Nach 3 Stunden kam sie tränenüberströmt wieder nach Hause. „Mama, meine Hose ist kaputt und die Knie tun weh!“ Mein Kind war für die Hose und den Stoff einfach zu schnell unterwegs. Schön war er, der Stoff, nur den Alltagstest hat er eindeutig nicht bestanden.

So toll schaut die Knickebocker aus . (Schnittmuster: Einfäl(l)tig von Piggelli)
Alltagstest eindeutig nicht bestanden.

„Mama, ich brauche doch so eine Hose!“, erklärt sie mir weinend. Natürlich nähe ich ihr eine neue – daran soll es wirklich nicht scheitern. 

Am Abend hat sie schon glücklich die “Neue” angezogen!