© Michaela Ebner | 2021
Aus dem Leben

Dieser eine Tag

Es gibt diesen einen Tag im Monat, an dem ich einfach ein Flugticket auf die Malediven buchen und dann mit einem Cocktail am Strand sitzen möchte. Eben, weil auch mir manchmal alles zu viel wird. Mich ärgert es immer wieder, dass ich noch nicht so weit bin, manches lockerer zu nehmen. Ich arbeite an mir! Einfach ist es nicht, seine Gewohnheiten und Muster anzuschauen, zu akzeptieren und/oder sogar aufzulösen. Immer wieder halte ich mit meinem Inneren Gespräche: „Spinnst du? Hast du das schon wieder gemacht? Du weißt ja, dass dir das nicht gut tut!“

Für mich ist es ganz schwierig, mir meine Schwächen einzugestehen. Passiert mir ein Fehler, überlege ich oft noch Tage danach, was ich hätte anders machen können. Darüber kann ich im Nachhinein nur den Kopf schütteln oder schmunzeln, wie komplett irre mein Hirn manchmal funktioniert. Aber Selbsterkenntnis ist ja bekanntlich der beste Weg zur Besserung.

Ich bin mir dessen bewusst, dass es anders laufen könnte – KÖNNTE. Leider komme ich aus meinen „Hamsterrad“ noch nicht heraus. Und dann kommt er, dieser Tag! Das spüre ich schon beim Aufstehen in der Früh, dass ich müde, leicht gereizt oder sogar nah am Wasser gebaut bin. Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf. Mein Kind merkt intuitiv, dass es wieder Zeit ist, besonders zu trödeln und mich und meine Geduld herauszufordern. Ich liebe es! Und so geht es den ganzen Tag weiter – jede Frage wird anders ausgelegt, als sie wirklich gemeint ist, jeder Blick anders interpretiert Ich habe gottseidank eine hohe Toleranzgrenze, also der Kragen platzt mir selten. Aber wenn er platzt, dann immer erst zuhause bei meiner Familie. Da lasse ich dann richtig Dampf ab. „Geht´s dir wieder gut?“, fragt mein Mann, nachdem ich meinen ganzen Frust an ihm abgeladen habe. Ja danke, es geht jetzt wieder. Ab in die Dusche und ins Bett. Morgen scheint wieder die Sonne.

Auszeiten sind wichtig – ich nehme mir sie nur viel zu selten.

Es ist wirklich so! Am nächsten Tag ist wieder alles normal und der gestrige Tag erscheint mir dann komisch, manchmal sogar surreal. Aber das ist das Leben. Und es darf manchmal zu viel werden, denn neben Mama sein, kochen, putzen, zuhören, spielen, einkaufen, arbeiten darf es auch mal komplett quer laufen.