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Aus dem Leben

Die Schule und ich

Nach meinem Schulabschluss habe ich mich für das Lehramtsstudium entschieden. Mein Perfektionismus und  die Freude am Lernen haben mir es ermöglicht, es ruckzuck abzuschließen. Danach durfte ich 14 Jahre in den verschiedensten Schulen und Schultypen Musik unterrichten und konnte über 1500 Kinder und Jugendliche einen Teil ihres Lebens begleiten. Das Lehren und Arbeiten mit den Kindern sah ich als Berufung.

Nach der Schwangerschaft und Karenz habe ich mich für einen neuen Berufs- bzw. Berufungsweg entschieden. Ihr fragt euch sicher, warum? Ein Job im Schulwesen ist ja sicher und die Ferien sind inkludiert. Dessen war ich mir bewusst. Aber es war auch ein wahnsinnig vereinnahmender Beruf – jedenfalls für mich. Ich war mit Leib und Seele Lehrerin. Ich wollte alles aus den Kindern herausholen, mit Humor und viel Elan. Das ging aber auf meine Substanz. Ich merkte bald, dass das Schulsystem ein starrer Apparat ist, bei dem die Kinder oder Jugendlichen nicht immer im Fokus stehen. Immer mehr Bürokratie und Dokumentation kam auf mich als Lehrperson zu. Der Lehrplan musste durchgezogen werden. Ich sah meinen Dienst am Kind oder Jugendlichen – nicht am System. Für mich wurde  es nicht leichter und deshalb habe ich den Ausstieg gewagt, für mich und meine Gesundheit.

Oft habe ich an dieser Entscheidung gezweifelt. Nach 2020 bin ich froh, dass ich nicht mehr in der Schule unterrichte. Home Schooling ist nichts für mich. Ich brauche die Interaktion mit meinem Gegenüber.

Da in meinem Familienkreis einige Lehrerinnen sind, habe ich die Herausforderungen aller Beteiligten hautnah miterleben dürfen. An dieser Stelle muss gesagt sein: Hut ab vor allen, die jetzt mit Home Schooling zu tun haben:

  • Eltern, speziell alleinerziehenden Eltern, die oft trotz Homeoffice bestmöglich für ihre Kinder da sind.
  • LehrerInnnen, die sich wahnsinnig bemühen, ihre SchülerInnen trotz Distanz weiter mit Herz zu unterrichten und sie nicht überfordern.
  • SchülerInnnen, die es trotz Überforderung aufgrund der Menge an Unterrichtsstoff, der alleine zu erarbeiten ist, schaffen, nicht zu verzweifeln und trotzdem weiterzumachen.

Ich bin gerade heute sehr dankbar, dass mein kleines Zwerglein noch in den Kindergarten geht und ich von Distance Learning und Home Schooling noch verschont geblieben bin – hoffentlich bleibt das so.