© Michaela Ebner | 2021
Aus dem Leben,  Natur & Garten

Das mit dem Tod

Das mit dem Tod.

Der Tod ist für viele ein Tabu-Thema. Ich bin damit aufgewachsen. Mein Papa war beruflich als Bestatter tätig. Mittags oder abends wurden die Zahlen der täglichen Todesfälle bekanntgegeben. Wir (mein Bruder und ich) durften den Trauerzug als Kreuzträger immer zum Grab bringen und so das erste Taschengeld verdienen. Der Friedhof war für uns einfach Papas Arbeitsplatz.

Auch heute noch ist der Friedhof für mich ein wunderschöner, ruhiger Ort und eigentlich unsere Lieblingsspazierstrecke. Er ist in unserer unmittelbaren Nähe, hat einen großen Fischteich, wunderschöne Alleen und über einen Waldweg geht es dann wieder zu uns nach Hause – eigentlich fast wie ein Abenteuer-Spaziergang.

© Michaela Ebner | 2021
Besonders im Herbst ist der Friedhof ein Ort voller Farben.

Natürlich habe ich schon Erfahrung mit dem Tod bzw. Versterben von lieben Menschen miterleben müssen. Es ist nie schön, aber ich glaube, dass mein Zugang zu Tod, Friedhof und Bestattung ein anderer ist – eben durch Papas Beruf.

Im Dezember 2020 kurz vor Weihnachten ist mein Opa verstorben. Es hat sich vorher schon abgezeichnet, dass er nicht wieder gesund wird. Mein Zwerglein hat immer wieder nach „Urli“ gefragt, ob es ihm bald besser geht.

„Mama, wenn er nicht gesund wird, dann soll er einfach zu meinem Onkel ins Altersheim. Er wird dann schon auf ihn aufpassen!“ Zur Erklärung, mein Bruder arbeitet als Pfleger in einem Altersheim.

Da wurde mir bewusst, dass mein Töchterlein das erste Mal mit dem Tod in Berührung kommen wird. Aber wie bringt man das einem knapp 4-jährigen Mädchen bei? Wohlbedacht und vorausdenkend habe ich mich erkundigt und mich für die Kinderbuch-Variante entschieden. Mein Zwerglein liebt die Bücher von „Wer? Weshalb? Warum?“. Auch hier gibt es eines zum Thema „Tod und Abschied“. Ich habe es gekauft und vorerst mal im Kasten versteckt. Als es dann soweit war, habe ich es mit ihr gelesen, durchbesprochen und jede, wirklich jede, ihrer Warum-Fragen beantwortet.

Resultat? Ich bin eines Abends zu meinen Eltern gefahren, mein Töchterlein blieb bei meinem Mann daheim. Nachdem ich wieder zuhause angekommen war, erzählte mir mein Mann, was gerade „abging“. Kaum habe ich die Tür zugemacht, ist sie schreiend unterm Tisch verschwunden und hat geschluchzt: „Mama hat uns verlassen. Sie kommt nie wieder!“ Mein Zwerglein hat sich 30 Minuten unterm Tisch verkrochen und hat sich erst danach herausholen lassen. Mein Gott, was hatte ich verbrochen? Was hatte ich meinem Kind angetan? Ich bin aus allen Wolken gefallen, die Tränen kullerten nun auch bei mir. Eines war klar. Das Buch wird sofort weggeräumt.

Mein Opa wurde schwächer und schwächer und verstarb noch vor Weihnachten. Nach den Feiertagen gab es eine Verabschiedung. Mein Zwerglein blieb daheim, ein zweites Mal mochte ich so eine Situation nicht mehr erleben. Im neuen Jahr angekommen, wurde mein Opa mit einer kleinen Feier unter einem Baum beigesetzt – diesmal hatte ich mein Töchterlein mitgenommen. Sie kennt ja diesen Teil des Friedhofs.

Mein Papa (also der Opa von meinem Zwerglein) hat die Verabschiedung nachzeichnen müssen. Alle Menschen stehen mit einem Liederblatt in der Hand um die Urne.

Erst zwei Monate später bat mein Zwerglein meinen Papa (ihren Opa) die Baumbestattung nochmal zu zeichnen. Sie fing erneut an zu fragen, was mit „Urli“ passiert war. Diesmal war ich froh, dass mein Papa die Fragen beantwortete. Ich hörte nur zu.

© Michaela Ebner | 2021
Und wo kommt “Urli” dann hin?
Er wird von den Engeln in den Himmel geholt und beschützt uns jetzt von dort oben.